Ausbildungspolygon Franzigmark von Dieter Waldt    Die elektrische Mausefalle Ende Oktober 1956 kamen Winfried Forkel und ich als junge Offiziere in das Nachrichtenbataillon. Wir hatten die Funkeroffiziersschule in Pirna absolviert und bekamen im Unterkunftsblock für Offiziere in der Paracelsusstraße auch gemeinsam ein Zimmer. Es war bescheiden eingerichtet. Für jeden ein Bett, ein Schrank und ein Nachtschschrank. Dazu ein Tisch und zwei Stühle. Das war schon der gesamte Reichtum. Dieses Zimmer hatte aber eine andere Attraktion. Wenn wir uns ruhig verhielten, dann bekamen wir regelmäßig Besuch von einer Maus. Eine Maus in der Offiziersunterkunft, das war ein unhaltbarer Zustand und mußte dringend verändert werden. Im Ausrüstungsbestand des Bataillons gab es keine Mausefallen, so konnte nur Eigeninitiative Abhilfe schaffen und das war für technisch gut ausgebildete Offiziere kein Problem. Winfried besorgte aus der Küche ein Stückchen Salami und ich fertigte die technische „Fangeinrichtung“ an. In meiner Kartentasche hatte ich immer ein paar Meter Schaltdraht, von dem ich etwa 10 cm abisolierte und um das Stückchen Salami wickelte. Das andere Ende war für den einen Pol der Steckdose vorgesehen. Nun fehlte nur noch eine ordentliche metallische Plattform, die dann mit einem Stückchen Schaltdraht und dem anderen Pol der Steckdose verbunden werden mußte. Wir waren davon überzeugt, daß die so scharf gemachte Mausefalle das Ende des täglichen Mäusebesuches bedeuten würde und legten uns auf unsere Betten auf die Lauer. Wir brauchten nicht lange zu warten. Der Salamiduft lockte die Maus aus dem Versteck. Sie umkreiste zunächst das technische Wunderwerk, richtete sie sich mehrmals auf die Hinterbeine und schnupperte mißtrauisch in Richtung der Salami, die sie aber nur erreichen konnte, wenn sie die Metallplatte betrat. Wir lagen ruhig auf unseren Betten und warteten auf den Erfolg unserer Erfindung. Noch einige Male umkreiste die Maus die Metallplatte, konnte dann aber dem Salamigeruch nicht mehr widerstehen. Sie betrat die Metallplatte, machte ein „Männchen“ und berührte dabei den mit Schaltdraht umwickelten Salamiknaul. Mit einem lauten Piepser hopste die Maus mit einem gewaltigen Sprung von der Metallplatte und sauste wie ein geölter Blitz unter den Schrank, wo sie ihr Versteck hatte. Noch lange warteten wir auf       ihre Rückkehr, aber die Maus ließ sich an diesem Tag       nicht mehr sehen.       Auch Mäuse sind lernfähig !