Ausbildungspolygon Franzigmark Die Flucht zur Fahne Bedingt durch die Wirren des 2. Weltkrieges wurde ich landwirtdchaftlicher Facharbeiter, sprich Knecht bei einem Großbauern. Von meiner beruflichen Zukunft hatte ich aber andere Vorstellungen und ergriff die sich eines Tages ergebende Möglichkeit, als Umschüler den Maurerberuf zu erlernen. Wir bauten als Jugendbrigade auf einer sozialistischen Großbaustelle in Bad Blankenburg Wohnungen für die Bergleute. “Ein Stein - ein Kalk - ein Bier.” Unser Polier war vom alten Schrot und Korn und hielt sich vorwiegend am Bier fest, während die Brigade für ihn das Geld mitverdienen mußte. Auf unser Drängen wurde dann unser Fachmann, der Polier, eingespart. Nun sollte aber einer von uns die Verantwortung übernehmen. Die Wahl fiel auf mich und alle versprachen mir dabei zu helfen. Mit der Maurerkelle umzugehen hatte ich gelernt und war auch sonst nicht schlecht in meinem Fach, aber ganze Häuserblocks von der Pike an zu errichten, das war schon Neuland für mich. Der Block 8, den wir nun ohne Polier zu bauen hatten, bestand aus drei Häusern. Das Fundament für diesen Block legte ich als Ganzes an und ließ zuerst Keller und Erdgeschoß der äußeren Häuser hochmauern. Beim Vermessen und Errichten des mittleren Hauses, oh Schreck, stellte ich fest, daß 30 cm fehlten. Was sollten wir tun? Wir bauten einfach weiter. Demzufolge wurde eben in dem mittleren Haus zwei Räume 30 cm kleiner. Der Ärger, der sich daraus ergeben hat, den habe ich nicht mehr erlebt, denn ich gab dem emsigen Werben der Partei nach und ging zur Kasernierten Volkspolizei (KVP), machte mich also aus dem Staub ! Es kann sein, daß sich die Bewohner des Blockes 8 noch heute darüber wundern, daß ein Möbelstück in die Ecke des                            eigenen Raumes paßt,                            beim Nachbarn aber                            nicht.- ja, es fehlen eben                            diese 30 cm ! von Kurt Remus