Ausbildungspolygon Franzigmark “Otto Brosowskides”  Die Flasche im Ärmel Die Inspektion war nun schon acht Tage im vollen Gange und es war bisher eine anstrengende Zeit. Ich saß in meinem Dienstzimmer und beschäftigte mich mit den bisherigen Ergebnissen, die sich durchaus sehen lassen konnten, denn wir steuerten, wenn nicht noch etwas Besonderes auftreten würde, auf die Note “Gut” zu. Da klingelte das Telefon! Der UvD der Draht- Richtfunkkompanie übermittelte mir den Befehl, daß ich zu Generalleutnant Bleck kommen solle.  Auf meine Frage, wo sich Generalleutnant  Bleck zur Zeit befinde, erhielt ich zur Antwort: “In der BA-Kammer unserer Kompanie!”  Ein General in einer BA-Kammer bedeutete nichts Gutes. Ich nahm meine Mütze und machte mich auf den Weg.  Als ich mich mit erwartungsvollem Gesicht beim Leiter der Inspektion meldete, wartete er gleich mit der Frage auf, ob ich mich denn schon einmal hier in dieser Rumpelkammer umge- sehen hätte? Mein Blick streifte flüchtig durch den nicht gerade großen Raum und stellte fest, daß die Ordnung auf den ersten Blick doch gar nicht so schlecht war. Dummerweise gab ich zur Antwort, daß meine funktionellen Pflichten als Bataillons- kommandeur eine Kontrolle der BA-Kammern nicht zwingend vorsehen. Wider Erwarten blieb Generalleutnant Bleck ganz ruhig, zog den grünen Vorhang vor dem wuchtigen Garderoben- ständer zur Seite, hinter dem eine Reihe Wintermäntel hingen, griff von innen des einen Mantels in den Ärmel, holte eine Flasche Nordhäuser Doppelkorn hervor und hielt sie demonstrativ in die Höhe. Dann kam ein etwas längerer Vortrag:     “.......... nur dort, wo die Vorgesetzten sich zu wenig um die Belange in ihrem                             Verantwortungsbereich kümmern und die Kontrollpflichten             vernachlässigen, können die Armeeangehörigen  den Befehl 30 des                                   Ministers...... !”                                                                                                   Anmerkung: BA-Kammer = Bekleidungs- und Ausrüstungskammer von Dieter Waldt